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06.07.2011

Prof. Dr.-Ing. Dieter BöhmeDie Gemeinschaft Thermisches Spritzen e.V.
und ihre Mitglieder – Wer braucht wen?

Von Prof. Dr.-Ing. Dieter Böhme, Mitglied des GTS-Beirats



Die Antwort auf diese Frage ist natürlich ganz einfach und eindeutig: Die GTS braucht ihre Mitglieder, sonst hätte sie keine Existenzberechtigung, und die Mitglieder brauchen die Institution der GTS, von der sie Aktivitäten zum Wohl ihrer fachlichen Arbeiten auf dem Gebiet des thermischen Spritzens erwarten.

In der Satzung der GTS sind Zweck und Aufgabe der GTS aber auch die Rechte und Pflichten der Mitglieder definiert. So sollen die Mitglieder natürlich ihre Beiträge und Umlagen, die primär die Arbeiten der GTS finanzieren, möglichst pünktlich bezahlen und sie haben selbstverständlich die Bestimmungen der Satzung und die satzungsgemäßen Beschlüsse der Verbandsorgane einzuhalten. Eine Kernforderung der GTS an ihre Mitglieder besteht darin, dass sie binnen 6 Monaten, nachdem sie die Mitgliedschaft erworben haben, die Verleihung des GTS-Zertifikats beantragen. Potentielle Mitglieder der GTS sind Betriebe mit Eigenfertigung, Dienstleistungsunternehmen (Lohnfertiger), Forschung und Entwicklung der Wirtschaft oder in Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen.


          „… die GTS braucht ihre Mitglieder,
                    und die Mitglieder brauchen die Institution der GTS …”

Was waren ursprünglich die grundlegenden Ziele bei der Gründung der GTS? Übergeordnet war es sicherlich zum einen die Zielvorgabe der Förderung des thermischen Spritzens im Allgemeinen. Zum anderen bestand die Grundidee bei der Gründung der GTS 1992 insbesondere darin, den zukünftigen Mitgliedern im Umfeld des harmonisierten europäischen Regelwerks eine Besonderheit zu bieten, die im nationalen aber auch im internationalen Wettbewerb als Wettbewerbsvorteil genutzt werden kann, sowohl von kleinsten als auch von großen Spritzbetrieben.

Diese „Besonderheit“ ist die Zertifizierung nach einem, von der GTS selbst erarbeiteten Regelwerk. Nach erfolgreicher Auditierung durch die SLV München erfolgt – nach Überprüfung aller Daten – die Ausgabe des Zertifikates durch die GTS-Geschäftsstelle. Eine GTS-Zertifizierung belegt dem potentiellen Auftraggeber einen hohen Qualitätsstandard des thermischen Spritzbetriebes, der unter Einbindung der Verfahrensprüfung und des sehr wichtigen Nachweises, dass qualifiziertes und entsprechend geprüftes Spritzaufsichtspersonal und geprüfte Spritzer vorhanden ist, definiert ist. Er ist Garant für eine hohe Qualität der Spritzerzeugnisse des zertifizierten GTS-Mitgliedes.


          „Die GTS-Zertifizierung ist Garant für eine hohe Qualität der
             Spritzerzeugnisse des zertifizierten GTS-Mitgliedes.“

Die Ausbildung und Prüfung des Spritzpersonals ist mit den entsprechenden europäischen Qualifizierungsrichtlinien der EWF (European Federation for Welding, Joining and Cutting) abgestimmt. Als Hilfestellung für die Ausbildung und Vorbereitung auf die Prüfungen von Spritzpersonal hat die GTS eine GTSExam-Software zur Verfügung gestellt, die auch generell als Lernstoff genutzt werden kann. Die bestandene Prüfung ist, insbesondere für die Spritzer, ein Nachweis ihrer Fachkompetenz und Fertigkeiten; sie erfüllt mit Stolz und beeinflusst zweifelsohne das Arbeitsengagement und das Qualitätsbewusstsein.

Als ein hilfreiches Instrument für produktbezogene Werbung wird den Mitgliedern die Möglichkeit zur Schicht- und Produktzertifizierung gegeben. Von einer unabhängigen, neutralen Stelle können ausgesuchte Eigenschaften, welche der Produkthersteller als besonders wichtig betrachtet, überprüft und dokumentiert werden und somit als Wettbewerbsvorteil herausgestellt werden. Ein Know-how-Transfer wird durch die Art der Durchführung der Prüfungen ausgeschlossen; diesbezüglich ist auch der Qualitätsausschuss eingebunden.

Aus diesen beiden vormals grundlegenden Zielstellungen der GTS haben sich im Laufe der Jahre eine so große Anzahl zusätzlicher Aktivitäten mit vielfältigen Ergebnissen entwickelt, die meist direkt umsetzbare Informationen und Hilfestellungen für die tägliche Arbeit der GTS-Mitglieder geben, wie es der Autor dieses Artikels bisher bei keinem anderen Verein kennen gelernt hat. Nachfolgend werden eine Reihe weiterer Aktivitäten und jeweilige Ergebnisse dargestellt, also Dienstleistungen für die GTS-Mitglieder, ohne dass hierbei ein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden wird; auch beinhaltet die Reihenfolge der Darstellung keine Wertung.

Zu den Aktivitäten des Qualitätsausschusses gehört die kontinuierliche Überarbeitung und Aktualisierung der ursprünglich im wesentlichen von der SLV München erarbeiteten Auditierungsunterlagen zur GTS-Zertifizierung und die Überwachung der Auditierung der GTS-Mitglieder. Des Weiteren hat der Qualitätsausschuss Arbeitsunterlagen zur Durchführung der Sicherheitsanalyse erstellt, ein Explosionsschutzdokument für Spritzbetriebe erarbeitet und ist mit der Vorbereitung zur Erlangung des Umweltschutzzertifikats nach DIN ISO 14001 für Spritzbetriebe befasst. Vom QM-Ausschuss wurde ein GTS-Papier über die gesetzlichen Vorschriften für Betreiber von thermischen Spritzanlagen erarbeitet und gemeinsam mit den „Newcomern@GTS“ eine Arbeitsunterlage zum Einfluss von REACH auf GTS-Mitglieder-Spritzbetriebe erstellt. Es erfolgen außerdem Vorbereitungen zur Durchführung des „Sicherheitsmanagementsystems OHSAS 18001 – Umsetzung für Spritzbetriebe“.

Im wesentlichen durch die Mitglieder des Vorstandes wurden hilfreiche Kooperationsabsprachen z.B. mit dem DVS, dem Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V., der Agentur für Arbeit und dem Germanischen Lloyd getroffen sowie eine Zulassung der GTS durch das Straßenbahnamt Berlin und die DB AG erreicht. Die Knüpfung internationaler Kontakte betrachtet der GTS-Vorstand ebenfalls als eine seiner wichtigen Aufgaben, um auch über Deutschland hinaus Akzeptanz zu finden und Einfluss für die Verbreitung und Anerkennung des thermischen Spritzens nehmen zu können.

Um die Informationen über die Technologie des thermischen Spritzens stärker zu verbreiten, ist auch eine intensive und zielgerichtete Werbestrategie erforderlich. Ein erfolgreiches Instrument war hier zweifelsohne die Veröffentlichung von mehr als 350 Publikationen in zahlreichen Zeitschriften über die Herstellung von qualitativ hochwertigen Produkten, die in der praktischen Anwendung Problemlösungen ermöglichten, wie sie mit anderen Beschichtungstechnologien nicht denkbar sind. Erstellt wurden die Fachartikel von GTS-Spritzbetrieben, unterstützt durch eine erfahrene Werbeagentur.

Das GTS-eigene Vereinsmagazin, der GTS-Strahl, der seit einiger Zeit als selbständiges Ganzes in dem Gemeinschaftsheft „Thermal Spray Bulletin“ von DVS und GTS eingebunden ist, bringt außer fachlichen Themen aus der Praxis, der Forschung und Entwicklung, der Ausbildung sowie der Normung des thermischen Spritzens, viele wichtige und interessante und zum Teil auch recht persönliche Informationen über die „GTS-Familie“. Es macht immer wieder Spaß, nicht nur die interessanten Fachartikel zu lesen, sondern auch in den zahlreichen Bildern nach bekannten Gesichtern Ausschau zu halten.

Viele Interessenten und potentielle Anwender von thermisch gespritzten Schichten erreicht man zielgerichtet auf den entsprechenden Messen. Die GTS hat hierzu einen professionellen Messestand geschaffen, an den – je nach Messesituation – Präsentationen von GTS-Mitgliedsfirmen angebunden werden können. Erfolgreich waren zahlreiche Messeauftritte zum Beispiel auf der weltgrößten schweißtechnischen Messe „Schweißen und Schneiden“, die alle vier Jahre in Essen durchgeführt wird. Vertreten war die GTS auch auf der Hannovermesse, der Handwerksmesse in München und der Blech in Essen.

Ein wichtiges Informationsmedium sind neue Normen und Patente. Hier profitieren die GTS-Mitglieder von dem Normen- und Patentdienst der GTS, der sie regelmäßig mit den neusten Normen und Patenten versorgt. Insbesondere für kleinere Firmen ist dies ein hilfreicher Service, da sie meist Schwierigkeiten haben, sich selbsttätig und zeitnah diese Informationen zu beschaffen. Es soll auch erwähnt werden, dass die GTS auch hier ihre Fachkompetenz einbringt durch die Mitarbeit in Normenausschüssen sowie in Arbeitskreisen des DVS, wo Normen und Regelwerke bearbeitet bzw. neu erstellet werden, und damit Einfluss nehmen auf Inhalte und Gestaltung dieser für die tägliche Arbeit wichtigen Unterlagen.

Viele Detailinformationen zur GTS, z.B. über die von der GTS erstellten Papiere, Kurzfassungen von Forschungsarbeiten und Publikationen, aktuelle Termine und vieles mehr finden sich in der übersichtlich gestalteten Homepage der GTS, und es kann nur empfohlen werden sich die Zeit zu nehmen, da mal rein zu schauen.

Personen, die sich besonders um das thermische Spritzen und die GTS verdient gemacht haben, werden entsprechend geehrt durch den GTS-Ehrenring, der inzwischen 9 mal verliehen wurde und die jeweiligen Träger zweifelsohne mit Stolz über diese Auszeichnung erfüllt hat. Eine sehr fachbezogene Ehrung ist der René-Wasserman-Preis, der im Andenken an den Gründer der Castolin von seinem Sohn verliehen wird. Entscheidungskriterien sind primär der Grad der Innovation des ausgewählten GTS-Mitglieds und sein Sozialverhalten gegenüber seinen Mitarbeitern. Dieser Preis wird von den Geehrten jedes Mal mit großer Freude entgegengenommen, stellt er doch in vielerlei Hinsicht eine einmalige Auszeichnung dar. Eine Ehrung und fachbezogene Motivation von Studienabsolventen erreicht die GTS dadurch, dass sie alle zwei Jahre die beste Diplomarbeit auf dem Gebiet des thermischen Spritzens mit einem Preis auszeichnet.

Umfangreiche Entwicklungs- oder gar Forschungsarbeiten können von kleineren und auch mittelständischen Firmen kaum geleistet werden. In Workshops der GTS wurde aktueller Forschungsbedarf definiert und GTS-Mitgliedsforschungseinrichtungen ist es gelungen, für umfangreichere Forschungsprojekte eine Finanzierung mit öffentlichen Mitteln zu erreichen und entsprechende Forschungsarbeiten durchzuführen. Zu einem vergleichsweise frühen Zeitpunkt erhalten die GTS-Mitglieder bereits Informationen über Zwischenergebnisse, die gegebenenfalls bei ihrer Produktentwicklung und -optimierung umgesetzt werden können oder gar zu neuen Produkten führen mögen.

Eine wichtige und im wahrsten Sinne des Wortes „entscheidende“ Einrichtung der GTS e.V. ist die Mitgliederversammlung. So wählt und entlastet die Mitgliederversammlung den Vorstand. Die Aktivitäten der GTS wesentlich betreffende Vorgänge bedürfen der Zustimmung der Mitgliederversammlung. Die jährlich an verschiedenen Orten in einem ansprechenden Ambiente stattfindende Mitgliederversammlung ist jedoch nicht, wie man normalerweise erwartet, nur eine langweilige Präsentation von Zahlen und Daten. Immer werden auch Fachreferate zu interessierenden Themen eingebunden, die von qualifizierten Kennern der Materie vorgetragen und diskutiert werden. Im Rahmen von Workshops werden zudem Themen erarbeitet, die von gemeinsamem Interesse sind.


 „Die GTS hat sich in wenigen Jahren zu einer schlagkräftigen,
auf dem Markt anerkannten Interessengemeinschaft für das
thermische Spritzen und seine Mitglieder entwickelt.“

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich die Gemeinschaft Thermisches Spritzen e.V. in vergleichsweise wenigen Jahren zu einer schlagkräftigen, auf dem Markt anerkannten Interessengemeinschaft für das thermische Spritzen und seine Mitglieder entwickelt hat. Sie ist nicht nur national sondern auch international anerkannt und nimmt Einfluss auf die Verbreitung und Anerkennung des Stellenwertes und der fachlichen Besonderheiten des thermischen Spritzens, zielgerichtet zum Wohle der GTS-Mitglieder.

Im Wesentlichen verantwortlich für diese Entwicklung ist der GTS-Vorstand, unterstützt durch seinen Beirat und die vielen aktiven GTS-Mitglieder, die in den Gremien der GTS und anderen Einrichtungen engagierte Sacharbeit leisten. Es sei hier erwähnt, dass die Mitarbeiter des Qualitätsausschusses und der anderen aktiven Arbeitskreise fast ausschließlich GTS-Mitglieder sind, welche ihre Arbeiten ehrenamtlich zum Nutzen aller GTS-Mitglieder ausführen. Allen hier Aktiven sei an dieser Stelle herzlich gedankt für ihr Engagement und ihren Einsatz.

Kann es für einen Spritzbetrieb oder irgend eine Einrichtung, die sich mit dem thermischen Spritzen in welcher Form auch immer befasst, noch eine Frage sein, ob es wohl sinnvoll und vorteilhaft ist Mitglied in der Gemeinschaft Thermisches Spritzen e.V. zu sein, beziehungsweise zu werden?


Der Beitrag ist erschienen im GTS-Strahl 24 im Thermal Spray Bulletin 2/2010 (Oktober 2010)


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